KÖRPERLICHE SYMPTOME VON PANIKATTACKEN

 

Diese Reaktionen sind sämtlich Ausdruck einer natürlichen biologischen Reaktion zur Bereitstellung von Energie. Die Energie wird jedoch nicht abgerufen. Es handelt sich quasi um eine Leistungsanpassung ohne Leistung. Alle sogenannten „Symptome“ können Sie auch registrieren, wenn Sie 20 - 30 Kniebeuge machen, dann stehen bleiben und die Veränderungen , die diese Leistung in Ihrem Körper verursacht, im Ruhezustand registrieren. Sie werden sich fragen, warum gerade Sie und auch nicht andere Menschen von dieser lästigen Körperreaktion betroffen sind. Das liegt daran, dass manche Menschen körperlich so ausgestattet sind, dass diese Energiebereitstellung sehr schnell und in einem Übermaß erfolgt, und das die Hormone, die dabei wirksam werden, nur langsam abgebaut werden. Das wichtigste Hormon ist dabei Adrenalin. Ein Adrenalinstoß kann im Bruchteil einer Sekunde auf dem Blutwege durch den Körper gejagt werden. Das Ergebnis kann die Verdopplung der Herzschlaggeschwindigkeit von einem Schlag zum anderen sein.

Menschen, die mit dieser überschießenden und schnellen Energiebereitstellungsaktion ausgestattet sind, sind auch meistens in Berufen zu finden, wo diese Eigenschaften gefordert werden, z.B. Berufssportler, Jetpiloten usw.

Die so geartete Körperreaktion können Sie vielleicht besser verstehen, wenn Sie das an einem technischen Beispiel versuchen nachzuvollziehen:

Ein Formel 1 Rennwagen und ein Traktor sind beides nützliche und auch sinnvolle Fahrzeuge. Das ein Fahrzeug, nämlich der F1-Wagen reagiert auf einen geringen Druck auf das Gaspedal mit hoher Geschwindigkeit und bedarf im Vergleich zum Traktor einer besseren Schulung des Fahrers als z.B. ein Traktor, der nur träge reagiert.

 

Biologische Erklärungen für die einzelnen Symptome:

 

Schwindelgefühl, schwarz vor Augen:

 

Dem Menschen stehen nur 4 bis 5 Liter Blut zur Verfügung, die den ganzen Organismus versorgen müssen. Sie müssen ja nach der aktuellen Sítuation jeweils optimal an dem Wirkort konzentriert werden. Falls eine Situation gefährlich wird, wird das Blut z.B. aus dem Gehirn oder dem Bauchraum in Richtung Muskulatur umverteilt. Die anderen Organe werden nur noch minimal zur Aufrechterhaltung ihrer biologischen Funktionen durchblutet. Diese Umverteilung heißt also zugleich einen geringere Durchblutung der im Moment nicht zur Leistung benötigter Organe. Vom Patienten wird das als mehr oder weniger starkes Schwindelgefühl wahrgenommen, weil die Gehirnrinde, in der Bewusstheit realisiert wird, ein Organ der Peripherie (Randbezirk) in Bezug auf die Durchblutung darstellt. Ebenso verhält sich das mit dem Augenhintergrund. Ergebnis: Gefühl der Leichtigkeit, über Schwindel bis zu Gleichgewichtsstörungen, Flimmern vor den Augen bis hin zu „Schwarzwerden“.

 

Mundtrockenheit

 

Der ganze Körper ist auf Leistung und nicht auf Verdauung eingestellt. Insofern arbeiten die Speicheldrüsen weniger. Durch die schnellere Atmung bei Angst wird mehr Speichel verdunstet, dadurch weitere Verstärkung der Mundtrockenheit.

 

Kloß im Hals, Atembeklemmung

 

Beide Lungenflügel werden weitgestellt und die Atemgeschwindigkeit wird größer, da der Körper in Leistungsbereitschaft ist. Da die Leistung nicht abgerufen wird, bleibt die Atmung trotz Erhöhung ihrer Geschwindigkeit (normal 16 Atemzüge pro Minute) flach, so dass der  Sauerstoff nur in den Bronchien hin und her ventiliert wird, ohne die Lungenbläschen in den Randbezirken ausreichend zu beatmen. Das erzeugt das Gefühl der Atembeklemmung.

 

Kribbeln in den Extremitäten, Kälte- und Hitzeschauern

 

Diese Körpergefühle sind Folge der Blutumverteilung. Das Blut, das über chemische Vorgänge in der Leber warmgehalten wird, ist gleichzeitig Wärmeleiter bzw. Transporteur des Körpers. Eine rasche Umverteilung erzeugt auch eine Veränderung der Warm- und Kaltwahrnehmung des Körpers in den einzelnen Körperbereichen.

 

Herzklopfen

 

Unter erhöhter Leistungsbereitschaft muß mehr Blut durch den Körper gepumpt werden, da es die Energie (Sauerstoff, Zucker) transportiert.

 

Herzstiche

 

Die ganze Aufmerksamkeit des Patienten richtet sich auf den linken Brustkorb. Dadurch ist dort insgesamt die nervliche Anspannung größer als in anderen Körperregionen. Das führt zu einer Erhöhung der Kontraktion der Zwischenrippenmuskeln, die schmerzhaft ist. Falls die „Symptome“ schon länger vorliegen, kann diese dauernde Konzentration auf den linken Brustbereich zu vorübergehenden Fehlstellungen der Hals- und Brustwirbelsäule führen. Das führt wiederum zu einem andauernden Druck auf die Wurzeln der Nerven, die  den Brustbereich versorgen. Dieser andauernde Druck wird als Schmerz wahrgenommen und von dem Patienten in dem Bereich lokalisiert, in dem diese Nerven enden, nämlich an der Vorderseite der Brustwand.

 

Flaues Gefühl im Magen

 

Der Körper ist biologisch auf Leistung eingestellt. Deshalb ist der Bauchraum schlechter durchblutet und nicht auf Nahrungsaufnahme eingestellt. Deshalb kann es zu Übelkeit kommen. Im Extremfall kann diese Übelkeit auch ohne Nahrungsaufnahme auftraten.

 

Weiche Knie, Händezittern

 

Die Gelenke sind auf Bewegung (Flucht oder Angriff) programmiert. Manchmal zittert sogar die Muskulatur aufgrund der hohen Nervenerregung im Rahmen der Energiebereitstellung.

Vom Patienten wird die Bewegungsbereitschaft der Gelenke als unsicherer Stand (weiche Knie) erlebt. Für den Patienten ist es wichtig zu wissen, dass diese Körperreaktion nicht nur speziell bei Angst ausgelöst werden. In gleicher Weise reagiert der Körper auch auf besonders positive oder negative Gemütsbewegungen und Belastungen z.B. Freude, Wut, Ärger, Stress. Wer einmal aufgrund seiner biologischen Neigung zur überschnellen Reaktion dieser Energiebereitstellungsreaktion als „Krankheit“ gedeutet hat, wird in Folge auch bei anderen z.B. den o.g. Gemütsbewegungen zuerst zur Deutung: „DAS IST ANGST“, neigen. Dadurch ändert sich sein Verhalten z.B. auch in Situationen, in denen eigentlich Ärger oder Wut oder auch Freude biologisch ausgedrückt wurde. Die biologische Reaktion wird als Angst gedeutet. Der Patient meidet dann diese Reaktionen. Typisch: Ich kann nicht zu dieser oder jener Familienfeier gehen, weil ich dort einen Angstanfall bekomme usw. Die Tatsache, dass in solchen Situationen aufgrund der Fehldeutung immer „Krankheit“ erlebt wird, führt auch dazu, dass die Patienten verlernen, mit Situationen umzugehen, die eigentlich bei Ihnen Wut und Ärger erzeugen.

Deshalb wird in der Therapie nicht nur gelernt, sich den gesunden Energiebereitstellungsreaktionen zu stellen, sondern es muß auch wieder bewusst gemacht werden, dass es Situationen gibt, die ärgerlich sind, die Wut erzeugen können und dadurch Familienfrieden und Partnerschaft vorübergehend ins Wanken bringen können.

 

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